Grüner Wasserstoff durch Augsburger Start-Up

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Aus Plastikmüll und Klärschlamm entsteht grüner Wasserstoff in Augsburg: Das Start-Up „Green Hydrogen Technology“ produziert direkt vor Ort.

Wasserstoff ist die Energieressource der Zukunft, insbesondere der sogenannte Grüne Wasserstoff. Bisher wird zum großen Teil „grauer“ Wasserstoff produziert, der sehr viel CO2 als Nebenprodukt verursacht. Pro Tonne Wasserstoff entstehen etwa zehn Tonnen CO2. Das bisher genutzte Verfahren zur Gewinnung von Grünem Wasserstoff ist die Elektrolyse.

Dabei gilt der Rohstoff schon heute als unabdingbar, wenn Deutschland seine Klimaziele einhalten will. Er ist unverzichtbar für die Industrie, um den Ausstoß von CO2 zu senken. Auch nachhaltiger Wasserstoff als Kraftstoff für Fahrzeuge wird in Zukunft interessanter werden.

Eine Studie des Fraunhofer Instituts prophezeit, dass der Bedarf an Wasserstoff aller Voraussicht nach schon ab 2040 vorwiegend aus ausländischen Quellen stammt. Der Transport kann jedoch wieder schädlich für das Klima sein. Eine neue Idee, wie nachhaltiger Wasserstoff vor Ort hergestellt werden kann, hat das Augsburger Start-up „Green Hydrogen Technology“. Im Jahr 2020 gründeten Alfred Edlinger, Benedict Barth und Harald Mayer das Unternehmen. Die nachhaltige Idee dahinter: Grünen Wasserstoff aus Abfall gewinnen.

Neuer und besser: Grüner Wasserstoff aus Augsburg

Für die Herstellung von grünem Wasserstoff Augsburger Start-Up ein neues und patentiertes Verfahren entwickelt. „Anders als bei der Elektrolyse, mit der man durch Einsatz von elektrischer Energie Wasser in seine Bestandteile zerlegt und so Wasserstoff gewinnt, setzen wir auf ein Heißgasverfahren“, erklärt Nadja Romdhane, Verfahrensingenieurin bei Green Hydrogen Technology. Das Start-up setzt dabei auf Rohstoffe, die beinahe im Überfluss vorhanden sind: Plastik und Klärschlamm, der in Kläranlagen nach der Wasseraufbereitung als Abfallprodukt übrig bleibt. Die Entsorgung geschieht im Moment durch Verbrennung – ohne weiteren Mehrwert und zu Lasten der Umwelt.

Grüner Wasserstoff durch zweistufiges Verfahren

Der grüne Wasserstoff wird in Augsburg mittels eines neuartigen, zweistufigen Heißgasverfahren hergestelltn. Zuerst wird der Klärschlamm in einer reinen Sauerstoffatmosphäre verbrannt. Dabei entstehen das benötigte Heißgas und als Nebenprodukt eine Schlacke, die abgetrennt und weiterverarbeitet wird.

Nach dem Gewinnen des Heißgases werden Kohlenwasserstoffe hinzugefügt. Das geschieht in Form von geschmolzenen Plastikabfällen. Im Anschluss daran wird Wasser hinzugegeben. Durch mehrere Katalysatvorgänge entsteht dann am Ende ein Gas, aus dem Wasserstoff mit einer Reinheit von 99,999 Prozent gewonnen wird. „Damit erzielen wir gegenüber der Elektrolyse einen deutlich höheren Wirkungsgrad und Output“, ergänzt Nadja Romdhane zum gesamten Verfahren.

Die Produktion selbst setzt dabei auch auf Nachhaltigkeit: Das CO2, das entsteht, kann aufgefangen und als technisches Gas weiterverwertet werden. Es findet dann beispielsweise in Feuerlöschern Anwendung. Die übrig bleibenden Schwermetalle fallen auch in wiederverwertbarer Form an und Giftstoffe, wie Dioxine, entstehen gar nicht erst. „Die Technologie stiftet doppelten Nutzen. Wir erzeugen nicht nur saubere Energie, sondern führen auch Abfallstoffe wie Klärschlamm und Plastikmüll einer sinnvollen Nutzung zu“, betont Nadja Romdhane.

Mit voller Kraft voraus

Green Hydrogen Technology plant im dritten Quartal 2023 mit seinem patentierten Verfahren an den Markt zu gehen. Erst vor kurzem hat das Start-up seinen Beirat gegründet und sich im Management personell gestärkt, um eine Umwandlung in eine Aktiengesellschaft zu vollziehen.

Damit zum Start auch alles klappt, baut das Unternehmen zurzeit auch noch eine Versuchsanlage für sein Verfahren. Sie steht im österreichischen Leoben in der Steiermark und soll ab Mitte des Jahres bereits mit dem patentierten Verfahren den Grünen Wasserstoff produzieren. Es handelt sich dabei um eine Testphase des zweiten Verfahrensschritts. Der erste Verfahrensschritt erweitert die Anlage bis zum Markteintritt. Sobald das Unternehmen dann schließlich am Markt ist, können Anlagenbetreiber wie Industriebetriebe, Entsorger und Kommunen das Verfahren gegen eine Lizenzgebühr nutzen. Die Anlage selbst wird von Green Hydrogen Technology fertig eingerichtet und bietet den Kunden die Möglichkeit, Grünen Wasserstoff aus Abfallprodukten herzustellen. Ein wahres Nachhaltigkeitskonzept für grünen Wasserstoff aus Augsburg.

Bild: Felix Kästle